Wie ich die richtigen Fonds auswähle – Tobias Lenhart zeigt seinen Ansatz
Wie wählt man den richtigen Fonds aus? Und warum landen gute Fonds nicht einfach zufällig im Depot? Mit dieser Einstiegsfrage eröffnete Tobias Lenhart, Mitglied bei fair-dienen, seinen Vortrag beim letzten Netzwerktreffen. Rund zehn Minuten, die es in sich hatten. Und die mehr Substanz lieferten als manch ein stundenlanger Finanzberatungstermin.
Nicht der Fonds ist das Problem
Lenhart stieg mit einer provokanten These ein: Die meisten Menschen stellen die falsche Frage. „Welcher Fonds ist gut?“ lautet der klassische Gedankengang. Die bessere Frage, so Lenhart, ist eine andere: „Welcher Fonds passt zu mir?“
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht. Dahinter steckt ein grundlegend anderes Verständnis von Geldanlage. Nicht die Rendite eines Produkts steht am Anfang, sondern der Mensch dahinter. Seine Ziele. Sein Zeithorizont. Seine Bereitschaft, Schwankungen auszuhalten.
Ein Depot, das für jemanden mit 30 Jahren Anlagehorizont Sinn macht, kann für jemanden kurz vor der Rente eine Katastrophe sein. Gleicher Fonds, völlig andere Wirkung. Genau das ist der Punkt. Wer das versteht, begreift, warum Fondsauswahl keine Produktfrage ist, sondern eine Menschenfrage.
15.000 Fonds. Und trotzdem kein Überblick
Der Markt bietet rund 15.000 Fonds. Dazu kommen diverse Ratings, widersprüchliche Meinungen und die Versuchung, sich an vergangenen Wertentwicklungen zu orientieren. Lenhart zeigte, warum das oft in die Irre führt.
Vergangenheitsdaten erklären, was war. Die Strategie entscheidet, was wird. Das ist kein akademischer Unterschied, sondern einer mit direkten Konsequenzen für das eigene Depot. Wer heute auf gestern schaut, navigiert rückwärts in die Zukunft.
Ratings helfen, sind aber kein Allheilmittel. Frühere Entwicklungen liefern Kontext, aber keine Garantien. Und diverse Meinungen können genauso gut verwirren wie orientieren. Der Überblick geht schnell verloren, wenn kein klarer Filter vorhanden ist. Das Angebot ist groß. Die Orientierung fehlt oft.
Das ist kein Vorwurf an Anleger. Es ist ein strukturelles Problem. Wer ohne klares Ziel durch 15.000 Fonds navigiert, trifft Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Manchmal geht das gut. Oft nicht.
Vergangenheit versus Zukunft
Einen eigenen Abschnitt widmete Lenhart dem Gegensatz zwischen Vergangenheitsorientierung und zukunftsorientierter Strategie. Viele Anlageentscheidungen, so seine Beobachtung, basieren auf Vergangenheitsrenditen. Das ist menschlich verständlich. Zahlen geben Sicherheit. Ein Fonds, der in den letzten fünf Jahren gut gelaufen ist, fühlt sich verlässlich an.
Das Problem: Die Vergangenheit erklärt, was war. Sie gibt Hinweise auf das Management, auf die Strategie, auf das Verhalten in bestimmten Marktphasen. Aber sie garantiert nichts. Märkte drehen sich. Strategien, die gestern funktionierten, können morgen unter Druck geraten.
Was wirklich zählt, ist die Strategie für die Zukunft. Passt der Fonds zur aktuellen Marktlage? Ist das Management in der Lage, auch in schwierigen Phasen die Linie zu halten? Hat der Fonds eine klare Rolle im Depot? Diese Fragen lassen sich nicht aus dem Rückspiegel beantworten.
Der Mensch als wichtigster Filter
Genau hier setzt Lenharts Ansatz an. Sein wichtigster Filter ist nicht der Fonds. Es ist der Mensch.
Drei Fragen stehen am Anfang jeder Anlageentscheidung. Erstens der Zweck: Wofür soll das Geld arbeiten? Altersvorsorge sichern, Vermögen aufbauen, ein konkretes Lebensziel finanzieren? Die Antwort bestimmt, welche Art von Fonds überhaupt in Frage kommt. Zweitens der Zeitraum: Wie lange kann das Kapital gebunden sein? Wird kurzfristige Verfügbarkeit gebraucht, scheiden viele Strategien von vornherein aus. Drittens Rendite und Risiko: Welche Schwankungen sind realistisch aushaltbar? Nicht theoretisch, sondern im echten Leben, wenn das Depot im Abschwung 20 Prozent im Minus liegt und die Nachrichten von Krisen berichten.
Wer diese drei Dimensionen kennt und ehrlich beantwortet hat, besitzt bereits einen stabilen Rahmen für die Fondsauswahl. Der Rest ist Handwerk. Ohne diesen Rahmen ist jede Auswahl Glückssache, egal wie gut der Fonds auf dem Papier aussieht.
Was einen guten Fonds ausmacht
Wenn der persönliche Rahmen steht, kommt die Produktauswahl. Lenhart nannte vier Kriterien, nach denen er Fonds beurteilt.
Die Strategie des Fonds muss zum Depot und zum Anleger passen. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber selten. Viele Depots enthalten Fonds, die niemand wirklich zueinander in Beziehung gesetzt hat. Ein stabiles Management ist kein Nice-to-have. Fondsmanager, die sich häufig ablösen, liefern selten konsistente Ergebnisse. Kontinuität in der Führung ist ein Qualitätsmerkmal, das sich in den Zahlen niederschlägt.
Das Verhalten in Krisen zeigt, was ein Fonds wirklich taugt. Nicht die Performance in Bullenmärkten, wenn fast alles steigt. Sondern wie sich der Fonds verhält, wenn die Märkte unter Druck geraten. Hat er seine Verluste begrenzt? Hat das Management die Strategie durchgehalten oder panisch reagiert? Das sind die Fragen, die echte Auskunft geben.
Das Volumen des Fonds schließlich gibt Hinweise auf Stabilität und Liquidität. Sehr kleine Fonds tragen das Risiko, geschlossen zu werden. Sehr große Fonds verlieren manchmal ihre Agilität. Die richtige Größe hängt von der Strategie ab, ist aber ein Faktor, der nicht ignoriert werden sollte.
Das optimale Zusammenspiel
Lenhart zeigte anhand einer klassischen Kapitalmarktlinie, was ein gut konstruiertes Portfolio ausmacht. Auf der einen Seite das optimale Portfolio, das für ein gegebenes Risiko die bestmögliche Rendite liefert. Auf der anderen Seite suboptimale Konstellationen, in denen mehr Risiko eingegangen wird, als die Rendite rechtfertigt.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob einzelne Fonds gut performen, sondern ob sie im Zusammenspiel funktionieren. Ergänzung statt Doppelung. Klare Rollenverteilung. Wer drei Fonds hat, die alle dieselbe Strategie verfolgen, hat keine Streuung, sondern ein konzentriertes Risiko mit drei verschiedenen Etiketten.
Ein suboptimales Portfolio entsteht oft nicht, weil die einzelnen Bausteine schlecht wären. Es entsteht, weil sie nicht zusammenpassen, weil niemand gefragt hat, welche Rolle jeder Fonds im Gesamtkonstrukt übernimmt. Das ist ein häufiger Fehler. Und einer, der sich vermeiden lässt, wenn man den Aufbau des Depots genauso ernst nimmt wie die Auswahl der einzelnen Produkte.
Keine Zufallsdepots
Der Vortrag gipfelte in einem klaren Statement: Lenhart baut Lösungen, keine Zufallsdepots. Die richtige Strategie ist das Fundament. Gute Fonds sind die Umsetzung. Beides zusammen ergibt ein Depot, das funktioniert. Eines ohne das andere reicht nicht.
Das klingt schlicht. Aber wie viele Depots bestehen aus Fonds, die irgendwann irgendwie empfohlen wurden, ohne dass je jemand gefragt hat, was das eigentliche Ziel ist? Ohne dass je jemand geprüft hat, ob die Fonds sich gegenseitig ergänzen oder schlicht verdoppeln?
Lenhart gibt darauf eine klare Antwort: Er behält den Überblick. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Nur die besten Produkte kommen in die Auswahl. Und das Ziel ist das optimale Zusammenspiel zwischen den Zielen des Kunden und den passenden Produktlösungen.
Kein Verkaufsgespräch. Kein Produktpitch. Ein strukturierter Blick auf das, was Geldanlage wirklich bedeutet. Für die Mitglieder von fair-dienen war es ein kurzweiliger Abend mit klaren Botschaften. Tobias Lenhart macht deutlich, dass gute Beratung mit Fragen beginnt und nicht mit Antworten.

