Beim Business-Breakfast des fair-dienen Netzwerks sprach Susanne Roemen, Architektin und Mitglied im Netzwerk, in ihrer 10-Minuten-Präsentation über Holz als Baustoff – genauer gesagt: über seine Rolle als vermeintlich ökologische Alternative. Der Vortrag war nicht nur informativ, sondern auch eine Einladung zum differenzierten Denken.

Die ökologischen Stärken von Holz

Holz bringt auf den ersten Blick viele Vorteile mit sich. Es wächst nach, ist theoretisch CO₂-neutral und seine Verarbeitung verbraucht deutlich weniger Energie als etwa die Herstellung von Beton oder Stahl. Gleichzeitig haben sich die technischen Möglichkeiten im Holzbau in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Normen und Bauvorschriften berücksichtigen den Werkstoff Holz inzwischen angemessen. Auch im Innenausbau und bei Möbeln punktet Holz, vor allem wenn es unbehandelt bleibt, da es dann biologisch abbaubar ist.

Ist Holz also die Lösung?

Die große Frage, die Susanne Roemen aufwarf: Können wir mit Holz wirklich alles lösen? Oder wird ein Teil der ökologischen Wirkung überschätzt?

Zwar ist Holz ein nachwachsender Rohstoff – theoretisch stehen weltweit (ohne Holz aus Tropenwäldern) pro Jahr 6,1 Gigatonnen zur Verfügung. Doch der globale Baustoffbedarf liegt bei rund 60 Gigatonnen jährlich – also dem Zehnfachen. Selbst wenn man alles Holz nutzbar machen könnte, wäre es also nur ein Bruchteil des Gesamtbedarfs. Das relativiert den Hoffnungsträger Holz erheblich.

Auch beim Thema CO₂-Neutralität lohnt sich ein genauer Blick. Bäume speichern CO₂ – je älter sie werden, desto mehr. Ein etwa 80 Jahre alter Baum bindet so viel CO₂ wie etwa 400 junge Bäume zusammen. Für den Bau sind jedoch vor allem ältere Bäume geeignet. Die CO₂-Bilanz verschiebt sich zusätzlich durch Transport, Trocknung, Verarbeitung und Veredelung – Aspekte, die häufig ausgeblendet werden, wenn über Holz als klimafreundlich gesprochen wird.

Grenzen der Wiederverwertung

Ein weiterer kritischer Punkt ist die spätere Verwertung oder Entsorgung. Unverarbeitetes Holz ist tatsächlich kompostierbar – aber das trifft nur auf einen sehr kleinen Anteil zu. Die meisten Holzelemente, die heute im Bau verwendet werden, sind verleimt, lackiert, imprägniert oder anderweitig behandelt. Damit sind sie nicht mehr biologisch abbaubar.

Auch das Thema Recycling ist stark reglementiert. Lediglich nicht verbautes, unbehandeltes Schnittholz darf wiederverwendet werden. Eingebautes Material darf in der Regel nur thermisch verwertet – also verbrannt – werden. Das Ziel einer echten Kreislaufwirtschaft lässt sich unter diesen Bedingungen nur schwer erreichen.

Nachhaltigkeit beginnt beim Planen

Trotz dieser Einschränkungen ist Holz ein wertvoller Baustoff – wenn er bewusst und nachhaltig eingesetzt wird. Entscheidend ist, wie gebaut wird: Rückbaubarkeit muss von Anfang an mitgedacht werden. Das heißt: möglichst ohne Leimverbindungen, stattdessen mit lösbaren Schraub- oder Steckverbindungen. Inzwischen ist dieses Prinzip auch auf europäischer Ebene Standard und in Bauverordnungen verankert.

Ein weiteres Ziel ist die Wiederverwendung: Bauteile sollen nicht nur recycelt, sondern im Idealfall direkt weiterverwendet werden. Dieses Denken im Sinne von “Cradle to Cradle” – also von der Wiege zur Wiege – setzt sich zunehmend durch, auch wenn es in der Praxis noch viele Hürden gibt.

Restholz sinnvoll nutzen

Ein eindringlicher Appell von Susanne Roemen betraf die Verwendung von Holz für Papier und Brennstoffe. Diese sollten künftig ausschließlich aus Restholz und Nebenprodukten der Bauholzverarbeitung stammen – nicht aus extra geschlagenem Vollholz. Nur so bleibt Holz als Ressource langfristig verfügbar und wird nicht unnötig verschwendet.

Fazit

Susanne Roemen hat in ihrem Vortrag keine einfache Antwort geliefert – und genau das war die Stärke ihres Beitrags. Holz ist ein ökologischer Baustoff, aber kein Allheilmittel. Nur durch differenziertes Planen, konsequente Instandhaltung, rückbaubare Bauweise und sinnvolle Nachnutzung kann Holz im Bau seinen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten.

Ein Denkanstoß, der zeigt: Wer wirklich nachhaltig handeln will, muss genau hinschauen – auch bei vermeintlich „grünen“ Lösungen.